• Anssi

#13 Satsang | Fragen & Antworten

Frage 1

Warum kommt das Ego wieder?


Anssi

Zum einen, weil man noch nicht bereit ist, es vollkommen loszulassen. Zum anderen, weil man es braucht, um in der Welt zu funktionieren.


Wenn wir hier im Kontext des Erwachens sprechen, dann kommt es nicht darauf an, ob das Ego wiederkommt, sondern ob du dich mit dem Ego identifizierst.


Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen der Nutzung des Egos und dem Glauben, das Ego zu sein (Identifikation).


Wenn es keine Identifikation gibt ... Wenn die Ego-Identifikation gestorben ist, dann spielt es keine Rolle, ob das Ego wiederkommt. Weil du Freiheit bist. Egal, was kommt.


Frage 2

Haben Seelen verschiedene „Charakterzüge“ oder sind alle gleich aufgestellt?


Anssi

Das Wort „Seele“ wird nicht einheitlich gebraucht. Je nach Kontext kann es daher eine andere Antwort auf deine Frage geben.


Wenn du mit „Seele“ dein Astralwesen meinst, dann ist deine Seele einzigartig, individuell, so wie das menschliche Wesen auch.


Wenn du mit dem Wort „Seele“ jedoch auf das göttliche Bewusstsein verweist, dann sind die Seelen weder "gleich aufgestellt" noch individuell-einzigartig, sondern eins.


„Eins“ bedeutet: Wir alle sind eine einzige Seele, denn es gibt nur eine. Wir alle sind in der tiefsten Tiefe unseres Seins ein Wesen. Nicht viele Wesen, sondern ein Wesen. Eins.


Wir sind wie die Äste eines gemeinsamen Baumes: viele, aber auch eins, gleichzeitig. Individuell und eins gleichzeitig.


Doch je weiter wir uns von unserem Ursprung entfernen oder je weniger wir unseren Ursprung wahrnehmen können, desto einzigartiger und getrennter scheinen wir zu sein.


Frage 3

Kann ich mit meinen drei durchlebten Psychosen und Medikamenten trotzdem Erleuchtung erleben?


Anssi

Das weiß ich nicht. Möchtest du das denn? Und wenn ja, warum? Frage dich das.


Wenn dir der Weg zur Erleuchtung große Freude bereitet und du eine deutliche Sehnsucht danach hast, gibt es keinen Grund, es nicht anzustreben.


Benutzt du den Weg zur Erleuchtung jedoch nur, um dich vor einer Herausforderung zu drücken, deren Überwindung für deine Entwicklung zurzeit viel wichtiger ist, dann wird das mit der Erleuchtung ohnehin nicht funktionieren, ob mit oder ohne psychotische Vorgeschichte.


Kurzum: Nur dein Herz kennt die Antwort auf deine Frage.


In der Regel ist es jedoch so: Psychosen deuten auf eine unstabile Ich-Funktion hin. Anders gesagt: Man hat noch nicht ausreichend gelernt, sich stark genug zu identifizieren.


Doch diese Fähigkeit ist für eine stabile Lebensführung und das persönliche Wachstum unausweichlich, es ist eine Grundbedingung.


Problem: Der direkte Weg zur Erleuchtung fördert die Identifikation nicht, er tut das genaue Gegenteil. Buchtipp: Empathie – Ein Leben ohne Haut, von Gitta Peyn.


Daher müsste man dein Motiv, nach Erleuchtung zu streben, sehr genau unter die Lupe nehmen. Denn ein falsches Motiv kann die Psychosen verstärken.


Frage 4

Die bereits sichtbare ungesunde Lebensweise meines Bruders (viel Rauchen und Trinken) ängstigt und deprimiert mich. Wie kann ich akzeptierender mit dem Thema umgehen?


Anssi

Erkenne zunächst, dass du nicht leidest, weil dein Bruder etwas macht, sondern weil du eure Situation falsch interpretierst.


Die Ursache deines Leids ist immer deine unbewusste Wahl. Du glaubst etwas Falsches und das verursacht dein Leid.


Folglich leidest du nicht, weil dein Bruder zu viel raucht oder trinkt, du leidest, weil du es falsch interpretierst.


Wäre das, was du glaubst, die Wahrheit, würdest du nicht darunter leiden. Die Wahrheit verursacht kein Leid.


Es ist immer eine geglaubte Unwahrheit, die Leid in uns erschafft, nie die Wahrheit. Und etwas zu glauben, ist immer unsere Wahl.


Wähle eine Wahrheit ... Wähle einen Glauben, der sich bezüglich eurer Situation gut anfühlt.


Erst wenn du mit der Situation im Frieden bist ... Erst wenn du im Einklang mit der Wahrheit bist, wird für dich eine Lösung erkennbar – falls es überhaupt deine Aufgabe ist, eine Lösung zu finden, denn vermutlich brauchst du überhaupt nichts zu tun.


Manchmal hilft man einem Menschen, wenn man sich gänzlich aus seinem Leben heraushält. Manchmal, indem man seine Liebe oder seine Wut ausdrückt. Und manchmal hilft nur Distanz.


Und manchmal gibt es überhaupt kein echtes Problem. Wir denken nur, es gäbe eines, weil wir von uns auf andere schließen (Projektion). Dann suhlen wir uns im Leid, welches jene, die wir bemitleiden, gar nicht haben.


Und falls es doch deine Aufgabe ist, zu helfen, dann wirst du nicht auf die Lösung kommen, solange du selbst im Unfrieden bist. Gute Ideen erfordern eine gute Schwingung, um empfangen zu werden. "In der Ruhe liegt die Kraft."


Und die Ursache für unseren Unfrieden sind immer wir selbst. Alles andere ist eine kindische Opferhaltung.



Frage 5

Sind Sätze wie „ich lasse mich tiefer sinken“ oder „alles darf sein“, nicht auch nur Gedanken, die kontrollieren und mich entfernen?


Anssi

Sind das Messer oder die Gabel nicht auch nur Werkzeuge, um jemanden umzubringen?


Damit will ich sagen: Es kommt nicht auf das Werkzeug (die Sätze) an, sondern was man damit macht.


Die Gedanken, die du in deiner Frage nennst, können ein Splitter sein, ein Hindernis. Aber man kann mit einem Splitter auch einen anderen Splitter entfernen, um im Anschluss beide Splitter wegzuwerfen.


Die Arbeit aller erwachten Lehrer gründet auf diesem Prinzip. Ansonsten würden alle nur schweigen. Denn jedes Wort, jeder Satz ist ein Gedanke.


Wären alle Gedanken sinnlos und würdest du wirklich daran glauben, was nützt dir dann deine Frage?


Deine Frage besteht auch nur aus Gedanken, die dich "kontrollieren und entfernen". Trotzdem stellst du sie. Und das ist auch gut so.


Frage 6

Der, der beobachtet, und der, der erwachen will, sind das dieselben?


Anssi

Ja und nein. Es kommt darauf an, welchen Beobachter du meinst.


Es gibt einen persönlichen Beobachter und einen unpersönlichen.


Der persönliche Beobachter hat eine Vergangenheit und eine Zukunft. Er wurde geboren und er wird sterben.


Er hat Beziehungen und er kann Entscheidungen treffen – zum Beispiel: zu beobachten oder etwas anderes zu tun, vielleicht erwachen zu wollen.

Der unpersönliche Beobachter dagegen hat nicht einmal eine menschliche Natur. Er ist die Unendlichkeit selbst.


Er/Sie/Es hat kein Geschlecht. Keine Identität. Keine Entscheidungsgewalt. Keine Geschichte.


Der unpersönliche Beobachter ist Gott, die Erwachtheit, das wahre Selbst, das Ungeborne, das Absolute, das Unsterbliche.


Du kannst dich selbst als einen persönlichen Beobachter erleben und als einen unpersönlichen. Letzteres nennen wir das spirituelle Erwachen.


Frage 7

Wie lehre ich meinem Kind am schnellsten, dass materieller Besitz nicht dauerhaft glücklich macht? Durch Erziehung zum Minimalismus oder die Erfüllung von materiellen Wünschen?


Anssi

Wieso willst du dein Kind überhaupt in die eine oder andere Richtung drängen? Wozu die Eile? Lebe doch einfach vor, was dir Freude bereitet, und lasse das Kind sich natürlich entfalten. Mehr kannst du ohnehin nicht tun.


Frage 8

Wenn das Ich eine Illusion ist, wer hat die Illusion?


Anssi

Wer sagt denn, dass es da ein "Wer" geben muss? Wer sagt denn, dass nur ein sterbliches Individuum eine Illusion haben kann?


Der Himmel hat Wolken, aber der Himmel ist kein Individuum. Er ist grenzenlos. Und vielleicht bist du genauso grenzenlos wie der Himmel? Und vielleicht hat diese Grenzenlosigkeit eine Illusion? Finde es heraus.


Zudem: Woher weißt du, dass das Ich eine Illusion ist? Das ist nicht deine Wahrheit. Du bist für dich keine Illusion.


Du glaubst, dass der, der diese Frage stellt, real ist. Du glaubst, dass du real bist. Ist doch so.


Warum ist das wichtig? Weil du keine sinnvolle Frage stellen kannst, solange du darin eine Annahme triffst, die nicht deiner Wahrheit entspricht.


Lasse mich dir eine sinnvollere Frage stellen:


Wenn das Ich real ist, wieso hast du es noch nie erlebt, gesehen oder wahrgenommen? Was genau soll dein Ich überhaupt sein?


Wenn ich dich fragen würde, was dein Fuß ist, könntest du mit dem Finger darauf zeigen. Das Wort „Fuß“ ist quasi ein Link zu deinem realen Fuß, den man unabhängig von dem Wort „Fuß“ wahrnehmen kann.


Dein Fuß braucht kein Wort, um zu sein. Dein Fuß ist eine wahrnehmbare Tatsache. Sogar ein Kleinkind, das kaum eine Sprache spricht, kann seinen Fuß wahrnehmen und erleben.


Aber worauf verweist das Wort „Ich“? Finde das.


Finde, worauf das Wort "Ich" verweist. Nicht theoretisch, nicht denklich-abstrakt, sondern ganz praktisch. Wo ist es?


Überzeuge dich, dass dein Ich existiert. Oder: Finde heraus, dass es eine Illusion ist. Was davon ist wahr?


In jedem Fall müsstest du nachsehen, um die Wahrheit zu entdecken. Das nennt man Selbsterforschung.


Wenn ich behaupten würde, dass dein Zimmer jetzt voller Gold ist, dann kannst du das logisch weder belegen noch widerlegen. Du müsstest schon nachsehen. Deine Argumente würden dich nicht zur Wahrheit führen. Meine auch nicht.


Und so ist das mit deinem Ich auch: Du müsstest nachsehen, um die Wahrheit zu erkennen. Argumente führen uns hier nicht zur Wahrheit.


Da gibt es also nichts zu diskutieren. Du müsstest einfach nur nachsehen. Und du müsstest bereit sein, etwas zu entdecken, was nicht unbedingt dem entspricht, was du bevorzugst.


Denn wie könntest du die Wahrheit entdecken wollen, wenn du selbst bestimmen willst, was die Wahrheit sein soll? So würde das nicht funktionieren.


Zuvor müsstest du dich entscheiden: Willst du die Wahrheit oder willst du eine Bestätigung für das finden, was du glaubst? Bist du an der Wahrheit interessiert oder an Bestätigung? Beides ist unvereinbar.


Daher muss jeder Wahrheitssucher offen sein. Denn nur wenn du offen bist, lässt du jede Möglichkeit zu. Und wenn du jede Möglichkeit zulässt, kann sich dir das Wahre zeigen.


Frage 9

Was hilft mir, zum Beispiel bei sorgenvollen Gedanken?


Anssi

Warum "zum Beispiel"? Warum diese Beliebigkeit?


Was auch immer dein Motiv war, eine Frage zu stellen ... Wenn du deine Frage so stellst, löst du in mir keinen Wunsch aus, sie zu beantworten. Warum?


Weil deine Formulierung mir verrät, dass du nicht viel von dir preisgeben willst. Doch wie soll ich dir bei der Selbsterforschung helfen, wenn du dein Selbst bedeckt halten willst?


Offenheit ist für die Wahrheitssuche eine Grundvoraussetzung. Und wenn du offen bist und preisgibst, was dich bedrückt, ist das nie beliebig. Niemand, der ehrlich ist, hat ein beliebiges Problem.


Frage 10

Mooji sagt, es sei wichtig, Erleuchtung noch zu Lebzeiten zu erlangen. Warum, wenn wir doch ewig existieren?


Anssi

Dass wir ewig existieren, ist deine Mutmaßung, nicht deine erfahrene Wirklichkeit.


Wäre es deine Erfahrung, dass wir ewig existieren ... Ich meine, hättest du das wirklich entdeckt, dann hättest du diese Frage nicht gestellt.


Die Wahrheit ist: Du weißt nicht, ob du ewig existierst. Du hast keine Ahnung, dass du ewig existierst. Du hast das nie entdeckt.


Und deshalb sagte Mooji zu recht, dass du Erleuchtung noch zu Lebzeiten erlangen solltest, denn ansonsten wirst du in diesem Leben nie frei sein.


Du wirst nie wissen und nie wahrnehmen, dass du ewig existierst. Du wirst es höchstens annehmen oder mutmaßen.


Doch was nützt dir eine bloße Annahme, wenn du mit Verlusten, Krisen, Krankheiten, deinem Tod oder mit dem Tod deiner Liebsten konfrontiert sein wirst?


Nichts!


Denn eine Annahme ist nur ein Hirngespinst. Es ist nicht deine Wahrheit. Nicht deine Erfahrung. Nicht deine Fähigkeit zur übersinnlichen Wahrnehmung.


Wenn du erleuchtet bist, kannst du „sehen“, dass wir alle unsterblich sind.

Nicht mit deinen physischen Augen, sondern mit einer anderen Art „Auge“. Und nur diese Befähigung verändert alles.


Daher ist es sehr richtig, was Mooji sagte. Eine andere Frage wäre, ob er dich damit meinte. Schließlich ist es möglich, dass das Streben nach Erleuchtung in deinem Leben keine Relevanz hat.

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Foto: Oliver Sjöström

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